Süsswasser-Perlenzucht

Am Beispiel einer Süsswasser-Perlenzucht aus Süd-Ost-China möchten wir Ihnen zeigen wie eine Perle entsteht die in einem Schmuckstück verarbeitet wurde. Wir können natürlich nur die einzelnen Schritte andeutungsweise zeigen, da sehr viel Arbeit, Erfahrung und Zeit für die Zucht von Perlen notwendig ist. Viele Abläufe entstanden aus testen und probieren und über viele Jahrzenten haben die Perlfarmer ihr Wissen durch Erfahrung angesammelt und dafür sehr viele Kosten investiert. Um diese Kosten zu amortisieren, werden die meisten Abläufe als Betriebsgeheimnis behandelt.

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Gewässer    
kann ein See, Fluss oder ein künstlich angelegter Teich sein. Voraussetzung für eine Perlenzucht darin ist aber, dass es  ein sauberes und gesundes Gewässer ist und muss im ökologischen Gleichgewicht sein, d.h. keine Industrie, keine Wasserverschmutzung, keine Überfischung etc.

 


 

 


 

 

Wapu-See/China für  Perlenzucht genutzt

Perlfarm 
ist das Gebäude in dem der Perlfarmer seine Geräte und alle notwendigen Dinge für die Perlzucht aufbewahrt, ähnlich einem Bauernhof.

 

 

 

 

 

 


Perlfarm auf einer Insel inmitten der Muschelbänke

Perlmuschel     
für die Perlenzucht werden hauptsächlich die Muscheln "Hyriopsis Cumingi" verwendet. Wobei auch die Muschelart  "Hyriopsis Schlegeli" und "Cristaria plicata" eingesetzt werden, wobei die letztere für Reiskornperlen ohne Kern verwendet werden. Die Muscheln können eine Größe von 13-16 cm erreichen. Für die Perlenzucht wir die Perle zwischen 4 bis 7 Jahre alt. In der Natur bei günstigen Umweltbedingungen kann die Muschel auch bis zu 40 Jahre alt werden.  

Um Muscheln für die Perlzucht in ausreichender Menge verfügbar zu haben, ist es erforderlich, dass man Muscheln selber züchtet.

 

 


Hyriopsis Cumingi

Muschelzucht 
um
den Muschelbedarf für die Perlenzucht decken zu können, müssen die Muscheln dafür gezüchtet werden, da die Natur selbst solche Mengen nicht erzeugen kann. Die Muschelzucht erfordert viel Erfahrung und Wissen.

Bei den Süsswassermuscheln sind die Geschlechter getrennt und es gibt männliche und weibliche Muscheln. Zuerst muss man wissen wann die weiblichen Muscheln mit der Eiabgabe beginnen. Dies hängt von der Jahreszeit und der Wassertemperatur ab. Die weibliche Muschel die sich auf dem Seegrund befindet,  wird ständig überprüft ob sie bereits zur Eiabgabe bereit ist. Dies stellt man an der Verfärbung fest und zwar wenn die Farbe dunkel-gelb oder dunkel-lila wird. Es werden die weiblichen zusammen einigen männlichen Muscheln aus dem See geholt und in Kübel (ca. 1x1 Meter) gesetzt. in diese Kübel werden auch einige Fische (Welze/Cat Fish) gegeben, die unerlässlich für die Muschelzucht sind. Die weibliche Muschel stößt dann einige tausend  Eier aus und die männliche Muschel gibt ihren Sperma hinzu, damit die Eier befruchtet werden. Die Eier haben einen kleinen Haken, mit dem sie sich in den Kiemen der Fische festsetzen, die das Wasser mit den befruchteten Eier durch die Kiemen zum "atmen" spülen. Dort verbleiben die Eier für ca. 10 bis 14 Tage und werden zu kleinen "Larven" die wie kleine weiße Punkte aussehen und nur durch ein Mikroskop erkannt werden können. Nach der Entwicklungszeit der Muschel-Larven sinkt die Larve auf den Boden. Nun werden die Muscheln eingesammelt und in größere Becken gesetzt, wo sie zu einer Größe eines Sonnenblumenkerns heranwachsen. Dies ist der Zeitpunkt wann die Muschel in das "freie" Wasser ausgesetzt wird, dort vergräbt sie sich im Seeboden. In den nächsten 1 bis 2 Jahren wächst sie dort zu einer Größe von 8-10cm heran und kann für die Perlenzucht bzw. für die Implantierung des Nukelars verwendet werden.       

Welz/Catfish: "Pelteobagrus fulvidraco"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Muscheln für die Perlzucht/Operation vorbereiten
Im Alter von ca. 2 Jahren werden die Muscheln gesammelt und in einem Wasserbad für die Operation vorbereitet. Die vom Seegrund bzw. von den Aufzuchtbecken gesammelten Muscheln werden von Schlamm und Algen befreit, damit keine Fremdkörper bei der Operation in die Muschel gelangen können. Im klaren Wasser kann die Muschel das Körperinnere reinigen und alle Partikel ausstoßen.  




 













 


Sammelbecken mit klarem Wasser für die Reinigung

Operation
unter Operation versteht man das künstliche einsetzen eines "Fremdkörpers" in die junge Muschel, der dann von der Muschel mit immer neuen Perlmuttschichten in dem kommenden Jahren überzogen wird und dadurch die eigentliche Perle erzeugt.

Diese Prozedur ist der kritischste Punkt in der Perlenzucht, denn hier entscheidet sich ob die Muschel überlebt und Perlen produziert, aber das Ergebnis kann erst nach Jahren festgestellt werden. Hier steckt das Wissen und die Erfahrung von Menschengeneration drin und eingehütetes Geheimnis ist.

 

 

 


Operation um den Nukleus einzusetzen

Öffnen der Muschel für Implantat
zunächst  wird die Muschel geöffnet und der Spalt mit einer Klammer fixiert. Die genaue Breite des möglichen Spaltes für die Öffnung verlangt viel Erfahrung. Denn durch eine Überdehnung des Schließmuskels der Muschel wird diese später die Muschel nicht mehr schließen können und stirbt. Bei zu kleiner Öffnung können das Implant nicht richtig plaziert werden und damit die Muschel eventuell die Beschichtung nicht richtig vornehmen.

 

 

 

 

 


öffnen und fixieren der Muschel

Präparieren des Gewebes für Implantat
danach wird Gewebe von der Muschellippe präpariert. Dieses Gewebe ist normalerweise für die Produktion der harten Muschelschale verantwortlich. Dieses Programm fährt sie weiter, auch wenn sie vom Organismus abgetrennt wird - vorausgesetzt, sie wird rechtzeitig wieder in eine lebende Muschel reimplantiert wird. Dieses Gewebe nennt man Epithelschicht und ist das Perlmuttproduzierende Gewebe, das den s.g. Perlensack bildet in dem die Perle heranwächst.

 

 

 

 

 


präparieren des Muschellippengewebes

Einsetzen des Implantat
Das Gewebe wird auf einen sterilen Träger aufgetragen und wieder in eine Muschel eingesetzt.. Bis zu 40 Implantate d.h. spätere Perlen haben in einer Süßwassermuschel Platz. Bei Akoyamuscheln  kommt immer nur ein Implantat/Nukleus pro Muschel in die Schale.

Je nachdem was man züchten will, wird ein vorbereitetes Implantat der Muschel eingepflanzt. Kernlose Perlen die eine natürlich Form bekommen und nicht rund sind, nennt man Keshi. Andere Implantate haben bereits einen runden Kern den s.g. Nukleus. In jüngster Vergangenheit hat man auch damit begonnen die unterschiedlichsten Formen von Perlen zu züchten wie z.B. quartratische Blättchen. In dem Beispiel auf dem Bild werden runde Nukleus eingesetzt, die später Perlen in Form eines Geldstückes (Coin) ergeben.

Eine weitere Züchtungsform ist die Zucht von Figuren und Formen in der Muschelschale. Dazu werden in die Muschelschale vorbereitete Formen implantiert, die von der Muschel mit Perlmutt überzogen werden. Später wird diese Form aus der Muschelschale zusammen mit der Schale ausgeschnitten und weiter verarbeitet.

 

 


einsetzen des präparierten Gewebes

 

 

 

 

 

 

Aussetzen der Muschel
nach einer kurzen Ruhezeit nach der Operation, werden die Muscheln an ihren zukünftigen Bestimmungsort verbracht und dort zurück ins freie Wasser gesetzt. In der Natur lebt die Muschel tief eingegraben im Seeboden und nur die Spitze mit der Saugöffnung ragt in das Wasser um darüber das Wasser ein- und aus zu pumpen.

Für die Perlenzucht müssen die Muscheln ständig kontrolliert und gereinigt sowie eventuell tote Muscheln entfernt werden. Deshalb hängt man die Muscheln in Netzen oder Körben im freien Wasser in einer Tiefe von ca. 2 Metern auf. Dadurch können auch wesentlich mehr Muscheln auf geringer Fläche gehalten werden. 

 

 


 


Muschel mit Nuklear an ihrem Bestimmungsort


 

Wachstum der Perle 
Die Perle wächst in der Muschel zwischen einem halben und vier Jahre heran. In dieser Zeit können verschiedene Umwelteinflüsse wie z.B. Algenwachstum, Verschmutzung, Taifun, Überschwemmung  oder ähnliches die Muschelbestände zerstören und die Arbeit von Jahren vernichten. Die Muschelbestände müssen ständig kontrolliert und von Algen gereinigt werden. Je nach Wachstum der Muschel müssen diese in größere Netze oder Körbe umgesetzt werden. 

In dieser Zeit "pumpt" die Muschel stündlich mehrere Liter Wasser durch ihren Körper und filtert dabei Nährstoffe für sie heraus. Durch diese Pumpbewegung wird der Fremdkörper/Perle ständig gedreht und erhält dadurch ihre runde Form. Wenn sich die Muschelbänke in einem künstlich angelegten Teich befinden, dann wird das komplette Wasser in wenigen Tagen von den Muscheln komplett gefiltert und alle Nährstoffe herausgefiltert. Danach würde die Muschel "verhungern". Deshalb muss der Perlfarmer weitere Nährstoffe in regelmäßigen Abständen in das Wasser geben. Welche Stoffe verfüttert sind, ist jedem Farmer sein spezielles Betriebsgeheimnis. Bei der Nährstoffzufuhr ist darauf zu achten, dass das Wasser weiterhin seine Qualität behält und nicht umkippt d.h. der Sauerstoffgehalt absinkt oder vermehrt Algen entstehen, dies würde die empfindliche Muschel töten.

 

 


künstlich angelegter Teich mit Muschelbestand

 

 

 

 

 

 

 

 

Perlenernte
je nachdem welche Stärke man ernten möchte, werden die Muscheln für die Perlentnahme aus dem Wasser geholt. Dies erfolgt meist in den "kalten" Monaten, da dort das Wachstum der Perlen geringer ist und auch nicht so viele Fliegen unterwegs sind.

Um die Perlen aus der Muschel zu entnehmen wird der Schließmuskel der Musche durchtrennt und die Perlen können herausgenommen werden. Danach werden die Perlen von eventuell vorhandenem Muschelfleisch gereinigt. 

 

 


nach einem halben Jahr sind die ersten Perlen sichtbar

Sammelstelle
nicht jeder Perlfarmer verfügt über die Gerätschaft und das Wissen für die weitere Behandlung der Perlen. Aus diesem Grund verkaufen die meisten Perlfarmer ihre zuvor geernteten Perlen an s.g. Perlhändler.

 

 

 

 

 


 


Sammelstelle an der Perlfarmer die Ernte verkaufen

Vorsortierung
um den Preis für die angelieferte Rohware zu bestimmen, werden die Perlen nach den verschiedenen Stärken gesiebt und aufgeteilt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


sieben der Perlen nach Größe für Preisbestimmung

Rohware
nach der Größensortierung erhält man einen ersten Überblick über die geernteten Perlen und kann einschätzen welchen Preis man dafür erwarten kann. Diese Rohware beinhaltet aber nur einen sehr geringen Anteil von den Perlen, die zum Schluss auch in einem Perlschmuck verarbeitet werden können. Bis dahin wird sehr viel manuelle Arbeit und Erfahrung erforderlich sein.

 

 

 

 


beurteilen der Rohware

manuelles Sortieren 
keine Maschine kann diese Art der Sortierung übernehmen und nur konzentriertes Sortieren von geübten Personen kann die Aufteilung nach Form, Größe und  Farbe, Einschlüssen usw. übernehmen.

 

 

 

 

 

 


sortieren nach Form, Größe, Farbe, etc.

Chemisches Bleichen 
auf die Färbung der Perlen beim Wachstum hat der Perlfarmer so gut wie keinen Einfluss. In einer Muschel kann das gesamte Farbspektrum von Perlfarben vorhanden sein. Von den Kunden werden aber meist nur die weißen sowie die lachs und violetten Farben bevorzugt. Gelbe Farbtöne werden meist nicht gekauft, genauso wie die leicht rosa farbigen. Da aber nur ein sehr geringer Teil der geernteten Perlen dem Geschmack der Kunden entspricht, wird der überwiegende Teil der Perlen über das Bleichen in eine weiße Farbe geändert.

Dazu kommen die Perlen in ein chemisches Bad und die Gefäßen in große Kammer mit UV Licht. Die chemische Formel und die Dauer des Bleichens sind Geschäftsgeheimnisse. Viel Erfahrung ist nötig: zu kurzes bleichen und die Perlen bleiben gelblich/orange, zu langes bleichen greift den Lüster an und lässt die Perle stumpf werden.

 

 


chemisches bleichen der Perlen

 

 

 

 

Bleichen durch Hochtemperatur
bei dieser Methode wird durch erhitzen der Perle versucht das Conchin in der Perle zu verändern (ab 60 °C). Diese Methode der Hochtemperatur-Bleichen bei der die Perlen in Schränke mit Hitzelampen für kurze Zeit erhitz werden, setzt viel Erfahrung und Können voraus.

Bei unsachgemäßer Behandlung mit zu hoher Temperatur ( über 95 °C oder sogar 200-300 °C) ) oder zu langer Erhitzungszeit wird die Perle beschädigt. Dabei verdampft auch der restliche Wasserbestandteil (ca. 4%) in der Perle und es entstehen dadurch feine Kanäle in der Perle, in die später beim Polieren das Polieröl eindringt und der Perle für kurze Zeit einen Glanz verleiht, der sich aber nach einigen Monaten wieder mit dem Öl verflüchtigt und die Perle wird matt und glanzlos. Auch können über diese Kanäle später beim tragen Schweiß eindringen, der die Perle ebenfalls schädigt.Weitere Schädigungen sind z.B. eine "altgelbe" Verfärbung oder die Oberfläche wird "staubig", da kleine Perlmuttplättchen von der Perle abblättern oder die Perle bekommt Risse/Poren.

Die Temperatur und der eigentliche Prozess sind ein Betriebsgeheimnis, das nicht weitergegeben wird. Denn hier kann die Arbeit von Jahren innerhalb weniger Minuten vernichtet werden. Schäden durch falsche Behandlung können zwar kurzfristig überdeckt werden, aber  langfristig wird die Perle wertlos. Deshalb ist es wichtig, dass man die Perlenzüchter und deren Qualität kennt und dafür ist eine jahrelange Erfahrung und Zusammenarbeit die Voraussetzung.   

 

 


Hochtemperatur-Bleichen im Lichtofen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Polieren
um der Perle ihren Glanz zu verleihen, wird diese poliert. Dazu werden die Perlen in einer motorbetriebenen Trommel die aus Bambusholz gefertigt ist, zusammen mit Bambusschrot, viel destilliertes Wasser und einem Spezialwachs für ca. 30 bis 60 Minuten poliert. Selbst dieser einfache Bearbeitungsschritt erfordert erhebliche Erfahrung, denn die Geschwindigkeit der Rotation kann die Perlen beim gegenseitigen Berühren beschädigen. 

 

 

 

 


polieren der Perlen

Trocken und ruhen
nach dem polieren werden die Perlen zum trocknen ausgelegt. Wobei auch dieser Vorgang einen genauen Ablauf at. Denn hierzu muss die Lufttemperatur und Feuchtigkeit einer genauen Vorgabe entsprechen. Über feuchte Tücher wird z.B. die Luftfeuchtigkeit konstant gehalten.

 

 

 

 

 


trocknen und ruhen

Feinsortierung
Hier werden die Perlen für die im Großhandel üblichen Einheiten sortiert. Entweder  Einzelperlen, Paare oder Stränge. Der „Normstrang“ hat 16 Inch, das entsprich ca. 42 cm: der sogenannte Choker. Dieser letzte Schritt vor dem Verkauf bestimmt die Qualität der Ware und somit auch den Preis. Werden unterschiedliche Perlqualitäten zu einem Strang zusammengefügt, so bestimmt die schlechteste Qualität der darin befindlichen Perlen den Preis.




 

 


Feinsortierung von erfahrenen Perlsortieren

Bohren, Aufziehen, Verpacken
besonders schöne Perlen werden meist als Einzelperlen verpackt, da diese später für Ringe oder Ohrringe verwendet werden und deshalb nicht komplett durchbohrt werden dürfen. Perlen die später für Halsketten/Collie verwendet werden, werden komplett durchbohrt um diese auf einem Faden aufzuziehen (Choker).

 

 

 

 

 


aufziehen der Perlen auf Strang
 

Perlenverkauf
um die Perlen an den Großhandel zu verkaufen, werden gleiche Qualitäten zusammensortiert und verpackt.





 

 






 


fertig verpackte Perlen für den Verkauf an den Grosshandel